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Gleichstellungspreis 2006

v. li n. re.: Preisträger Prof. Dr. Matthias Jestaedt, Vizepräsidentin Prof. Johanna Haberer, DAAD-Preisträgerin Maija Sadurska, Rektor Karl-Dieter Grüske
(Foto: SG Öffentlichkeitsarbeit)

 

Mit dem Gleichstellungspreis, den die Universität im Jahr 2005 zum ersten Mal vergeben hat, wurde 2006 Herr Prof. Dr. Matthias Jestaedt, Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Frauenbeauftragter der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (damals Juristische Fakultät), ausgezeichnet. Neben der engagierten Wahrnehmung seiner alltäglichen Pflichten eines Fakultätsfrauenbeauftragten richtete sich das Augenmerk von Herrn Jestaedt in den letzten Jahren im Besonderen auf vier für die Gleichstellungsproblematik an Hochschulen besonders relevante Fragestellungen:

Wie stellt sich die Förderaufgabe und wie stellen sich allfällige Fördererfolge dar? Zahlen - Daten - Fakten

Nach Art. 2 Abs. 1 S. 8 des Bayerischen Hochschulgesetzes (BayHSchG) gehört es zu den Aufgaben der Hochschulen, die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken. Dabei ist das Ziel der Förderung gemäß "vor allem die Erhöhung des Anteils der Frauen in der Wissenschaft". Um dieser Aufgabe aber nachkommen, bedurfte es belastbarer statistischer Erhebungen zum Anteil von Frauen in der Wissenschaft (sowie zur Entwicklung dieses Anteils über die Jahre). Zu diesem Zwecke trug Herr Prof. Jestaedt in Eigeninitiative Zahlen und Daten für die unterschiedlichen Bereiche der Juristischen Fakultät - von den Studierenden über die Absolvent(inn)en, die Doktorand(inn)en, die Mitarbeiter(innen) bis hin zu den Professor(inn)en - zusammen.

Erstmals im Juni 2005 konnte - verantwortet von Herrn Jestaedt - die Broschüre "Frauen an der Juristischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg - Zahlen & Daten" (12 S.) erscheinen. Damit ist ein erster Anlauf genommen, ein möglichst umfassendes und ausdrucksstarkes Bild von der Situation des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses im Fachbereich Rechtswissenschaft zu gewinnen und gezielte Maßnahmen der Frauenförderung ohne Effektivitätsverluste zu ermöglichen.

Welche Förderangebote gibt es, wer bietet sie an, und an wen kann man sich wenden?

Nicht selten scheitert die erfolgreiche Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses bereits an Elementarem, nämlich daran, dass seitens der Förderungsberechtigten Unkenntnis darüber besteht, welche konkreten Förderangebote bestehen, wer sie unterbreitet und an wen man sich zwecks Antragstellung zu wenden hat. Just die Vielfalt, das In- und Nebeneinander von Fördermaßnahmen auf Fakultäts- und namentlich auf Universitätsebene (Büro der Frauenbeauftragten, aber auch Maßnahmen der Universitätsleitung) dürfte im Jahr 2006 vielen Studentinnen und Mitarbeiterinnen noch unbekannt oder doch unklar gewesen sein. Um diesem Defizit abzuhelfen, hat Herr Jestaedt eine weitere Broschüre herausgegeben, in der neben allgemeinen Informationen zur Frauenförderung eine Übersicht über die Angebote für Studentinnen und Wissenschaftlerinnen wie beispielsweise technische, strategische, finanzielle und inhaltliche Unterstützungsmöglichkeiten gegeben wird; daneben werden jeweils Stellen zu weiterführenden Informationen genannt ("Frauenförderung an der Juristischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg", Januar 2006, 24 S.).

Daneben richten Informationsabende das Augenmerk der Studentinnen und Wissenschaftlerinnen auf das Angebot der Frauenförderung. Auch im Rahmen dieser Veranstaltungen werden die Interessentinnen über die Maßnahmen der Frauenförderung im Allgemeinen und das Angebot an spezifischen Fortbildungsmöglichkeiten sowie über diverse Stipendien und sonstige Unterstützung informiert. Die Teilnehmerinnen bringen aber auch von ihrer Seite Anregungen und Wünsche hinsichtlich gezielter Frauenförderung ein.

Zielvereinbarung

Zu den wesentlichen Aufgaben und Erfolgen der letzten Jahre zählte zweifelsohne die Aushandlung und der Abschluss der Zielvereinbarung der Universitätsleitung mit der Juristischen Fakultät und zur Steigerung des Frauenanteils in der Wissenschaft am 27. Juli 2005. Herr Jestaedt setzte sich in diesem Zusammenhang besonders intensiv mit der Frage möglicher diesem Ziel entsprechenden und auf die besondere Situation der Juristischen Fakultät bezogenen Maßnahmen auseinander.

Inzwischen wurden die Zielvereinbarungen 2008 aufgrund der Fusion mit der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät zur Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät modifiziert.

ALexA (Peer-)Mentoring im Fachbereich Rechtswissenschaft

Recherchen seitens Herrn Jestaedts im Fachbereich der Rechtswissenschaft anderer Universitäten in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz sowie an nicht-rechtswissenchaftlichen Fakultäten ließen (und lassen) eine andere besondere Form des Mentoring als eine der Juristischen Fakultät möglicherweise adäquate Form intensiver Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses erscheinen, für welche derzeit die Planungen laufen: das so genannte Peer-Mentoring.

Im Gegensatz zum klassischen Mentoring, bei dem es zur Bildung von Zweierteams kommt, werden beim Peer-Mentoring größere Gruppen (oder auch nur eine größere Gruppe) gleichrangiger Teilnehmerinnen gebildet, die sich zuvörderst wechselseitig unterstützen und ein Netzwerk bilden. Dem weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs wird durch das ALexA Peer-Mentoring-Programm ein kostengünstiger Rahmen gegeben, von wechselseitigen Erfahrungen zu profitieren, gemeinsamen Schwierigkeiten auf den Grund zu gehen, immer wieder auftretende Hindernisse gemeinsam zu überwinden, Vorbilder zu finden und Netzwerke zu knüpfen.

Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro wurde in diesem Jahr von der Universitätsleitung der Universität Erlangen-Nürnberg gestiftet.